Presse

Spatenstich des bayerischen Pilotprojektes zur Abwärmenutzung in Straubing

01.06.2010
Ein innovatives Verfahren mit Zukunftscharakter: Abwasser ist kein Endprodukt, sondern vielmehr ein Wertstoff.

v.l.n.r. Dr.-Ing. E.h. Hans Huber, Cristina Pop, MdL Josef Zellmeier, OB Markus Pannermayr, Umweltminister Dr. Markus Söder, MdL Reinhold Perlak, Bürgermeister Hans Lohmeier, stellvertretende Landrat Josef Laumer, Prof. Dr. Martin Faulstich und Michael Eberhardt

HUBER ThermWin®-Verfahren

Nachhaltigkeit wird zum Schlagwort! Diese Aussage von Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr brachte es auf den Punkt. Gäste und Experten aus Politik und den Fachgebieten der Abwasser- und Energietechnik kamen am 17.05.2010 in Straubing zusammen. Offizieller Anlass der Veranstaltung war der Spatenstich für ein Projekt, welches die Heiz- und Warmwasserversorgung für ca. 100 Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft sicherstellen soll. Der Besuch von Herrn Dr. Markus Söder, bayerischer Umwelt- und Gesundheitsminister, lässt allerdings schon vermuten, dass es sich hierbei um keine konventionelle Heizanlage handelt. Vielmehr geht es hier um ein Projekt zur Abwasserwärmenutzung und damit um ein innovatives Verfahren mit Zukunftscharakter.

Im Rahmen der Sanierung von vier Gebäuden der städtischen Wohnungsbaugesellschaft wurde u. a. auch das bestehende Heizsystem untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchungen zeigte ein deutliches Verbesserungspotential auf, indem durch den Einsatz einer Fußbodenheizung und modernster Isolierung auf eine Heizanlage mit Niedrigtemperatur zurückgegriffen werden kann. Die benötigte Energie wird mittels Wärmepumpen bereitgestellt. Das Zauberwort dieser gesamten Heizanlage ist jedoch die Abwasserwärmenutzung, welche über das HUBER ThermWin®-Verfahren erst möglich wird. Hierzu werden dem Abwasser aus dem in der Nähe liegenden Kanal über 210 kW Energie entzogen, so dass in Verbindung mit Wärmepumpen mehr als 7.000 m² Wohnfläche beheizt werden und zusätzlich die Warmwasserbereitstellung erfolgt. Als direkte Folge ist eine deutliche Einsparung an fossilen Brennstoffen  zu verzeichnen

Zunächst begrüßte Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr die anwesenden Gäste und betonte in seiner  Ansprache den Mut der Stadt Straubing, in innovative und neuartige Projekte zu investieren. Dieser Mut sei für bahnbrechende Technologien erforderlich. Da Mut allerdings allein nicht ausreiche, bedankte sich OB Pannermayr bei Herrn Minister Dr. Söder für die finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Bayern. Die überregionale Publikation des Projektes, speziell durch das bayerische Umweltcluster, steigere auch den Bekanntheitsgrad der Stadt Straubing.

Umwelt- und Gesundheitsminister Dr. Söder thematisierte in seiner Rede besonders den Klimawandel. Es sei die Aufgabe aller Umweltunternehmen, diesen mit Hilfe von neuen Techniken zu stoppen und den CO2-Ausstoß zu minimieren. Aus diesem Grund sieht er das Geld der bayerischen Staatsregierung hier gut investiert. Des Weiteren hob er die Stadt Straubing als Zukunftsstadt hervor, welche mit diesem Projekt eine Referenz für weitere Projekte schaffen werde. Zum Abschluss seiner Rede betonte Minister Dr. Söder, dass Abwasser kein Endprodukt, sondern vielmehr ein Wertstoff sei, dessen Potential bisher zu wenig betrachtet werde.

Prof. Dr. Martin Faulstich, geschäftsführender Direktor des Wissenschaftszentrums Straubing, widmete sich zu Beginn seiner Ausführungen einem aktuellen Thema. Der Ölteppich, welcher sich im Moment im Golf von Mexico seinen Weg bahnt, sei ein Produkt von immer risikoreicheren Unternehmungen, um an die letzten Ölreserven unseres Planeten zu gelangen. Diese Tatsache und die begrenzte Möglichkeit einer CO2-Aufnahme unserer Atmosphäre verlangen, die Strom- und Wärmeversorgung unserer Gesellschaft von Emissionen dieses Treibhausgases loszulösen, so Faulstich weiter. Um das parteiübergreifende Ziel einer Reduzierung des CO2-Aussstoßes von 80 % bis zum Jahre 2050 zu realisieren, seien gerade solche Projekte, wie jetzt in Straubing von immenser Bedeutung. Ein Pilotprojekt zur Beheizung von 100 Wohnungen habe Symbolcharakter und führe hoffentlich zu reichlichen Nachfolgeprojekten. Abschließend gab Prof. Dr. Faulstich, welcher ebenfalls Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen in Deutschland ist, den Hinweis, dass in Deutschland bis zu 4 % des Energiebedarfs über Abwasserwärmenutzung gedeckt werden könne.

Herr Dr.-Ing. E.h. Hans G. Huber, welcher in Funktion als Sprecher des Umweltclusters Bayern und als Aufsichtsratsvorsitzender der HUBER SE zu den Gästen sprach, betonte in seiner Rede, dass dieses Projekt sehr gute Chancen hat, vom Umweltcluster Bayern die Auszeichnung „Leuchtturmprojekt“  verliehen zu bekommen. Nachdem Herr Dr.-Ing. E.h. Huber einige technische Details des Projektes erläutert hatte, bedankte er sich bei allen Beteiligten für die bisherige Arbeit und wünschte dem Projekt einen guten Verlauf.

Mit einem kleinen Imbiss wurde die anschließende Diskussionsrunde eingeläutet, bei welcher sich zahlreiche interessante Gespräche ergaben. Wer weiß, vielleicht wurde in diesem Rahmen schon ein weiteres Projekt zur Abwasserwärmenutzung ins Rollen gebracht.