Presse

Erfolgreiches Forum zum Thema Klärschlammentsorgung und Phosphorrückgewinnung

01.12.2016
Am 22. November fand das UmweltCluster-Forum zum Thema Klärschlammentsorgung und Phosphorrückgewinnung auf dem Gelände der HUBER SE in Berching statt. Veranstalter waren das UmweltCluster Bayern e.V. und die Deutsche Phosphorplattform DPP e.V.

Große Resonanz: Die gut gefüllte Veranstaltung zählte mehr als 170 Teilnehmer

Thomas Knoll, Geschäftsführer des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf im Vortrag

Burghard Hagspiel, Stadtentwässerung Nürnberg, im Vortrag mit einem Schlammbrikett in der Hand

Die Pausen wurden auch für zahlreiche angeregte Gespräche und Erfahrungsaustausch genutzt

Der bei der Abwasserreinigung entstehende Klärschlamm wird in Deutschland mit jährlichen Kosten von rund 500 Millionen Euro entsorgt. Bislang geschieht dies in Form von Düngung landwirtschaftlicher Flächen, von Einsatz im Landschaftsbau und von Verbrennung in Kraft- oder Zementwerken sowie in Monoverbrennungsanlagen.

Derzeit steht die Novelle der Klärschlammverordnung (AbfKlärV) mit tiefgreifenden Veränderungen für die Verwertung des Klärschlammes an. Die Novelle, welche voraussichtlich 2017 in Kraft treten wird, sieht die deutliche Verringerung der landwirtschaftlichen Verwertung und für Kläranlagen der Größe über 50.000 Einwohnergleichwerte eine Pflicht zur Phosphorrückgewinnung vor. Neben der Wertstoffrückgewinnung soll durch diese Gesetzesmaßnahme auch das Grundwasser vor weiterer Verschmutzung durch pharmazeutische Reststoffe geschützt werden.

Entsprechend groß war die Resonanz bei Kläranlagenbetreibern, Betreibern von Verbrennungsanlagen, Zweckverbänden zur Klärschlammverwertung, Politik, Ingenieurbüros und Forschungsinstituten. Mehr als 170 Teilnehmer aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Österreich konnten gezählt werden.

 

Die Begrüßung der Gäste wurde durch Herrn Mayr vom UmweltCluster Bayern, Herrn Georg Huber, dem Vorstandsvorsitzenden der HUBER SE und Herrn Dr. Schnee von der Deutschen Phosphorplattform DPP e.V. vorgenommen. Herr Dr. Schnee führte moderierend durch die Veranstaltung und verlas zu Beginn eine Stellungnahme des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz zu den zukünftigen Anforderungen an die Klärschlammentsorgung in Bayern.

Prof. Bischof und Prof. Mocker von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden gaben zunächst einen umfassenden Überblick über den derzeitigen Stand der Novelle der Klärschlammverordnung und über die prinzipiellen Möglichkeiten der Phosphorrückgewinnung auf Kläranlagen und aus Klärschlammasche.

Dr. Markus Rödiger, beratender Ingenieur aus Stuttgart, referierte über die energetische Situation auf kleinen und mittleren Kläranlagen unter Einbeziehung der Trocknung von Klärschlamm mittels Solar- und Bandtrocknern und gab Hinweise wie Energielücken in der weitergehenden Behandlung gefüllt werden können.

Dr. Heindl von der HUBER SE stellte hocheffiziente HUBER-Maschinen vor und präsentierte ein mögliches Szenario zur Phosphorrückgewinnung in Bayern. Dabei wurde dargelegt, dass bei einer thermischen Verwertung des Schlammes in Südbayern genügend Kapazität vorhanden ist, in Nordbayern aber vier Verwertungsanlagen, u.a. Monoverbrennungen vorzugsweise auf vorhandenen Kraftwerksstandorten errichtet werden müssten. Die eigentliche Phosphorrückgewinnung aus der Asche könnte in zwei Zentren u.U. von einer privaten Düngemittelverarbeitungs- und –handelsfirma durchgeführt werden.

Harald Plank von der S2E GmbH, einer Tochterfirma der HUBER SE und der WTE Wassertechnik GmbH in Essen, stellte Monoverbrennungsanlagen zur thermischen Verwertung von Klärschlamm vor, welche in der Größe speziell für Mengen an entwässertem Schlamm von rund 10.000 bis 50.000 Jahrestonnen im Baukastensystem konzipiert worden sind. Die Anlagen werden komplett mit Schlammlagerung, Trocknung, Verbrennung und Aschespeicherung in einem Gebäude angeboten.

Mit besonderer Erwartung wurde der Vortrag von Thomas Knoll, dem Geschäftsführer des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf,  bedacht. Er referierte über einen, bislang einmaligen  Zusammenschluss mehrerer Kommunen im Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf, welcher die Trocknung der anfallenden Klärschlamme, u.a. auch von der Stadt Regensburg übernimmt. Die geplante Bandtrocknungsanlage soll am Standort des Müllkraftwerkes in Schwandorf mit Abwärme den Schlamm trocknen, welcher anschließend im nahegelegenen Zementwerk in Burglengenfeld mitverbrannt werden soll.

Ein Praxisbeispiel der Phosphorrückgewinnung aus Asche stellte Bernhard Ortwein von der CNP-Technology Water and Biosolids GmbH vor. Bei Kläranlagen mit biologischer Phosphorelimination gibt es Probleme mit Phosphatablagerungen in den Rohrleitungen nach dem Faulturm. Das Air-Prex-Verfahren verhindert durch das Ausscheiden von Phosphat aus dem Schlammwasser diese Betriebsprobleme und stellt im Nebeneffekt Dünger in Form von Magnesium-Ammonium-Phosphat her.

Burghard Hagspiel von der Stadtentwässerung Nürnberg referierte über den letzten Stand des Forschungsprojektes KRN-Mephrec auf der Kläranlage in Nürnberg. Der Schlamm wird getrocknet, brikettiert und versetzt mit Koks und Kalk in einem Kupolofen schmelzvergast. Aus dem Abstich wird als Dünger Phosphatschlacke, welche gut pflanzenverfügbar ist, und Metall gewonnen.

Michael Knust von der WTE-Betriebsgesellschaft GmbH beschrieb die Umsetzung eines Klärschlammentsorgungskonzeptes am Beispiel der Kläranlage in Hecklingen in Sachsen-Anhalt. Zunächst werde die Errichtung eines Bandtrockners umgesetzt, in Form eines Betreibermodells ist ab 2018 auch der Betrieb einer Monoverbrennungsanlage für Klärschlamm geplant.

Dr. Turek von der MSE Mobile Schlammentwässerungs GmbH stellte in seinem Vortrag eine mobile Anlage zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm vor, welche in zwei 40-Fuss-Seecontainer untergebracht ist. Auf nasschemischem Weg wird aus dem Schlamm Magnesium-Ammonium-Phosphat gewonnen, welches nach Trocknen und Granulieren als Dünger eingesetzt werden kann.

Angeregte Diskussionen gab es vor allem über die Art der Phosphorrückgewinnung aus dem Schlamm oder der Asche, über den Vergleich von Monoverbrennung und Mitverbrennung im Zementwerk mit vorhergehenden Phosphor-Abreicherung des Schlamms, über die Kosten der Verfahren und über die Umsetzung der Verfahren in der betrieblichen Praxis.

Die erfolgreiche Veranstaltung schloss mit einer Besichtigung des Werkes der HUBER SE.