Neualbenreuth sichert seine Schlammentsorgung

Komplettes Schlammentwässerungssystem errichtet in kostengünstiger

Die im Oberpfälzer Wald gelegene Marktgemeinde Neualbenreuth be-treibt zur Abwasserbehandlung eine 4000 EW Stabilisierungsanlage. Bisher wurde der dort anfallende Klärschlamm in Stapelbehältern zwi-schengelagert, von einem Lohnentwässerer abgepresst und dann landwirtschaftlich ausgebracht. Dieser Entsorgungspfad war allerdings aus verschiedenen Gründen in Frage gestellt: Das beim Entwässern anfallende Filtrat beeinträchtigte durch die plötzliche Rückbelastung der biologischen Reinigungsstufe massiv die Ablaufwerte der Kläranlage. Zudem bevorzugten die örtlichen Landwirte zunehmend die Ausbringung von Gärresten aus Biogasanlagen anstatt des in die öffentliche Kritik geratenen Klärschlammes. Um langfristigen Bindungen durch Entsorgungsverträge aus dem Weg zu gehen, entschied sich die Gemeinde, die Entsorgung des Schlammes so weit wie möglich selbst zu gestalten. Das Neualbenreuther Konzept beinhaltet daher zur maximalen mechanischen und thermischen Massenreduzierung des Klärschlammes ein eigenes Entwässerungsaggregat sowie eine solare Trocknungsanlage.

Um den Personalaufwand auf der mit nur einem Klärmeister besetzen Anlage so gering wie möglich zu halten, sollte ein geschlossenes Entwässerungssystem zum Einsatz kommen. Eine Siebband- oder Kammerfilterpresse schied daher von Anfang an aus. Weil der Sandanteil im Neualbenreuther Klärschlamm durch Abschwämmungen aus landwirtschaftlichen Flächen besonders hoch ist, sollte das Entwässerungssystem auch möglichst verschleißarm arbeiten. Ein auf den ersten Blick günstiges Angebot über eine gebrauchte Zentrifuge wurde daher wegen unkalkulierbarer Verschleißteilkosten und Wartungsintervalle des Schnellläufers nicht berücksichtigt. Als weiteres mögliches Entwässerungssystem bot sich dann eine Schneckenpresse an. Sie ist sowohl durch ein gekapseltes Gehäuse als auch einen verschleißarmen Betrieb durch die geringe Drehzahl der „Pressschnecke“ charakterisiert. Hinsichtlich der notwendigen Entwässerungsleistung bestanden aber bei der Gemeinde nach der Besichtigung einer Schneckenpresse anderer Bauart große Zweifel. Trotz dieser Vorbehalte wurde eine Schneckenpresse RoS 3Q in Neualbenreuth getestet. Die Versuchsergebnisse vom November 2007 räumten dann alle Bedenken aus dem Weg: Die „kleine“ Schneckenpresse entwässerte bei einem Feststoffdurchsatz von 110 kg/h die beiden Stapelbehälterinhalte auf 34 % und 42 % Trockenrückstand, der spezifische Polymerbedarf lag dabei zwischen nur 3,5 und 4,5 g Wirksubstanz pro kg TR. Damit waren sowohl die Leistungsfähigkeit als auch der wirtschaftliche Betrieb der Schneckenpresse anschaulich und beeindruckend zugleich unter Beweis gestellt. Um die Investitionskosten möglichst niedrig zu halten, beauftragte die Gemeinde Neualbenreuth lediglich die „blanke Schneckenpresse RoS 3Q“ und die Pumpentechnik. Sämtliche Rohrleitungen, die Polymeraufbereitung, der Schaltschrank sowie Montage und Inbetriebnahme wurden von der Kläranlage selbst in Eigenregie konzipiert und ausgeführt. Bei der abschließenden Überprüfung durch einen HUBER Servicetechniker konnte dem Betriebsleiter Herrn Bauer perfekte Arbeit bestätigt werden.

Die Einstellung der Anlage hätte kaum besser sein können. Mittlerweile ist die Schneckenpresse in Neualbenreuth seit gut fünf Monaten und bis zu 24 Stunden täglich im Einsatz. Eine Entwässerungsleistung von über 30 % TR wird in allen Fällen ohne Schwierigkeiten erreicht; und dies obwohl sich der mineralische Schlammanteil im Vergleich zum Testzeitraum verringert hat. Der entwässerte Schlamm wird anschließend solar getrocknet und kann so mit minimalem Kostenaufwand entsorgt oder sogar als Brennstoff verwertet werden. Die Schneckenpresse RoS 3Q ist so auch in Neualbenreuth zentraler Bestandteil eines wirtschaftlichen Schlammentsorgungskonzeptes. Die einfache Bedienung, der geringe Wartungsaufwand und die Langlebigkeit aufgrund der hohen Qualität macht sie gerade für kleinere Kläranlagen interessant.

Harald Neumann
Produktmanager
Geschäftsbereich Schlammbehandlung

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