Klärschlammtrocknungsanlage in Backnang erfolgreich in Betrieb genommen

Am sogenannten Kopfstück 1 erfolgt die Beschickung mit entwässerten Schlamm durch die Pelletiereinheit. Direkt darunter verlässt der getrocknete Klärschlamm die Trocknunganlage wieder.
Am sogenannten Kopfstück 1 erfolgt die Beschickung mit entwässerten Schlamm durch die Pelletiereinheit. Direkt darunter verlässt der getrocknete Klärschlamm die Trocknunganlage wieder.

Ungefähr 6000 Tonnen Schlämme im Jahr aus Backnang und den Kommunen der Kooperationspartner wurden in der Vergangenheit auf dem Geländer der Sammelkläranlage Neuschöntal mit einer stationären Trocknungsanlage getrocknet. Im Dezember 2012 endete der Vertrag mit der MSE Mobile Schlammentwässerungs GmbH und war aus vertraglichen Gründen und des technischen Zustandes der Anlage nicht mehr zu verlängern. Im Zeitraum 2008 und 2009 dachte die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) des Rems-Murr-Kreises darüber nach, die Kompostanlage Backnang-Neuschöntal mit einer Vergärungsstufe zur Behandlung der Bioabfälle zu ergänzen. Schnell wurde klar, dass es technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, Abwärme aus der Bioabfallvergärung für die Klärschlammtrocknung einzusetzen. Durch die direkte Nachbarschaft beider Anlagen war die Idee geboren, die in dem Blockheizkraftwerk der Vergärungsanlage entstehende Wärme zur Trocknung von Schlämmen einzusetzen.

Kurze Wege zeichnen die Trocknungsanlage in Backnang aus: Vor der Halle, in der sich der Trockner und die Abluftreinigungsanlage befinden, erfolgt die Anlieferung des entwässerten Klärschlammes. Im Silo nebenan wird der getrocknete Klärschlamm gelagert
Kurze Wege zeichnen die Trocknungsanlage in Backnang aus: Vor der Halle, in der sich der Trockner und die Abluftreinigungsanlage befinden, erfolgt die Anlieferung des entwässerten Klärschlammes. Im Silo nebenan wird der getrocknete Klärschlamm gelagert.

Erste Berechnungen ergaben, dass 12.000 Tonnen Klärschlamm zur Trocknung gesichert bereitgestellt werden müssen. Dazu war eine Kooperation mit mehreren Kommunen nötig, die die Städtische Klärschlammverwertung Backnang GmbH gründeten. An dieser beteiligten sich Althütte, Aspach, Backnang, Burgstetten, Großerlach, Murrhardt, Oppenweiler, Remshalden, Schwaikheim, Spiegelberg, Sulzbach an der Murr und Zweckverband Weissacher Tal. Die Vorteile einer Klärschlammbehandlungsgesellschaft liegen auf der Hand:

  • Verwertung der anfallenden Klärschlämme ist langfristig gesichert
  • Loslösung von den Kosten fossiler Energieträger (bisher wurden jährlich ca. 850.000 Liter Heizöl verbraucht)
  • Verwertungskosten liegen unter Marktpreisen
  • Gewinne bleiben im kommunaler Hand

Nach öffentlichen Ausschreibungen erhielt die Fa. HUBER im Jahr 2010 den Auftrag zur Lieferung des Bandtrockners mit einem Investitionsumfang von 3,7 Mio. Euro. Mit der Bandtrocknungsanlage „BT 18“ können jährlich 16.000 t Klärschlamm mit einem anfänglichen Trockenrückstand von etwa 27 % auf einen Trockenrückstand von 90 % getrocknet werden. Derzeit werden mit der Anlage circa 10.000 t Klärschlamm behandelt.

Somit ist die Klärschlammverwertung in der Region langfristig gesichert und es können sogar noch weitere Kooperationspartner in die neu gegründete „Städtische Klärschlammverwertung Backnang GmbH“ aufgenommen werden. Die Energie für die Trocknung wird in Form von Abwärme kostenlos aus der Biovergärungsanlage des Rems-Murr-Kreises entnommen. Die Wärmeenergie in einer Größenordnung von 8,5 Mio. Kilowattstunden würde ohne die Trocknungsanlage ungenützt in die Atmosphäre abgegeben werden. Die Betreiber der Biovergärungsanlage erhalten im Gegenzug eine Vergütung von 3 Cent je eingespeister Kilowattstunde. Zudem wird das Trockengut als Granulat in einem Silo gelagert und wöchentlich dem Kohlekraftwerk in Heilbronn zur Stromerzeugung geliefert – der Heizwert des Trockengutes entspricht dem von Braunkohle.

Die Trocknungsanlage von HUBER in Backnang ist somit das Herzstück eines Vorzeigeprojektes in Sachen Energieeffizienz und nachhaltigem Umweltschutz. Vorteilhaft für den Betreiber ist auch die durch intelligente Verfahrenstechnik deutlich reduzierte Abluftmenge und der niedrige spezifische Elektroenergieverbrauch. Auch in einem anderen Bereich könnte die Klärschlammtrocknung zukünftig den Betreibern viel Freude bereiten: Bei der Rückgewinnung von Phosphor aus dem Trockengut. Derzeit wird an verschiedenen Verfahren geforscht. Sobald hier eine effiziente Methode überzeugt, können die Betreiber das wirtschaftliche Potential der Klärschlammtrocknung nochmals bedeutend erhöhen.

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