Größte kommunale MBR-Anlage Russlands erfolgreich in Betrieb gegangen

Neu gebaute kommunale Kläranlage in Sovetsk, Kaliningrad, Russland
Neu gebaute kommunale Kläranlage in Sovetsk, Kaliningrad, Russland

In Sovetsk (Kaliningrad, Russland) wurde mit Hilfe von Fördergeldern der Europäischen Union eine der modernsten kommunalen Klär-anlagen Russlands (120.000 EW) gebaut. Zum Einsatz kommt eine der aktuell innovativsten Abwasserreinigungstechniken: das soge-nannte MBR-Verfahren. Die Anlage wurde im Oktober 2013 erfolgreich in Betrieb genommen und hat die ersten strengen Wintermonate mit Bravur gemeistert.

Sovetsk (das frühere Tilsit), eine Stadt in der russischen Exklave Königsberg/Kaliningrad, liegt unmittelbar an der Grenze zu Litauen, am Zusammenfluss der Tilse mit der Memel. Die Königin-Luise-Brücke über die Memel, die als Grenzübergang nach Litauen dient, ist eines der Wahrzeichen des Ortes. Neben ihrem berühmtesten Erzeugnis, dem Tilsiter Käse, ist es vor allem der Tilsiter Frieden, der die Stadt europaweit bekannt machte, als Napoleon I. im Juli 1807 einen Friedensvertrag zwischen Frankreich, Russland und Preußen unterzeichnete. Das Abwasser der Stadt Sovetsk wurde bis zum vorigen Jahr sehr rudimentär beseitigt: Es wurde in einer zentralen Pumpstation gesammelt, die noch aus den Zeiten der Sowjetunion stammte, und größtenteils ohne weitere Behandlung direkt in die Memel abgeleitet. Diese ist ein ca. 937 km langer Strom, der von Weißrussland über Litauen in das Kurische Haff der Ostsee fließt.

Parameter   Grenzwert
CSB< 30 mg/l
BSB< 3 mg/l
NH4-N< 0.39 mg/l
Ntotal< 15 mg/l
Ptotal< 0.2 mg/l
E.coli< 100 MPN/100 ml

Tabelle 1:Einzuhaltende Grenzwerte bei der Einleitung des Abwassers von Sovetsk in die Memel

Eine von insgesamt sechs Filtrationskammern der MBR-Anlage Sovetsk, mit 4 HUBER VRM®
Eine von insgesamt sechs Filtrationskammern der MBR-Anlage Sovetsk, mit 4 HUBER VRM®

Um die Umweltbilanz zu verbessern, unterstützt die Europäische Union den Ausbau und die Modernisierung lokaler Kläranlagen mit dafür vorgesehenen Fördergeldern. Dadurch konnte in Sovetsk der Neubau des Klärwerks realisiert werden, das unter Berücksichtigung des Einzugsgebietes und der angeschlossenen Industriebetriebe auf ca. 120.000 EW (26.000 m³/d) ausgerichtet wurde. Da das gereinigte Abwasser zukünftig sehr strengen Grenzwerten gerecht werden soll, entstand eine der modernsten kommunalen Kläranlagen Russlands. Zum Einsatz kommt eine der innovativsten Abwasserreinigungstechniken: das sogenannte MBR-Verfahren. Dabei wird das Abwasser nach der mechanisch-biologischen Reinigung mittels Membranen filtriert, sodass der Ablauf vollständig von Schwebstoffen und weitestgehend von Bakterien und Keimen befreit wird.

Konzipiert wurde die Anlage durch ein litauisches Planungsbüro. Die bautechnische Umsetzung erfolgte durch den russischen Anlagenbauer UAB Baltlistroj, der wiederum die HUBER SE als Systemlieferanten für die gesamte mechanische Vorreinigung sowie die Membranfiltration ausgewählt hat. Heute ist die Kläranlage mit zwei Kompaktanlagen Ro5 (270 l/s), einer Fäkalannahmestation Ro3.1, einem Sandwäscher RoSF4 BG 2 und 24 Membranfiltrationseinheiten vom Typ HUBER VRM 30/640 (insgesamt 92.160 m² Membranfläche) ausgestattet. Sowohl während der Planung als auch im Laufe der Realisierungsphase war HUBER ein kompetenter und zuverlässiger Ansprechpartner bei allen Prozessfragen rund um das Thema MBR-Anlagen.

Das Gesamtkonzept der Kläranlage besteht aus einer mechanischen Vorreinigung (3 mm RPPS), gefolgt von zwei Pufferbehältern zur Nivellierung hydraulischer Zulaufspitzen. Um bei etwaigen Veränderungen der Zulaufsituation flexibel zu sein und zugleich ein möglichst redundantes System zu realisieren, wurde sowohl die biologische Stufe als auch die Membranfiltration mehrstraßig gestaltet. Für den biologischen Prozess stehen drei identische Belebungsbecken (Schlaufenbecken, vorgeschaltete Denitrifikation) mit insgesamt 10.350 m³ Belebungsvolumen zur Verfügung. Die Auslegung erfolgte gemäß der für das MBR-Verfahren üblichen Auslegungsparameter hinsichtlich Schlammbelastung, Schlammalter und TS-Gehalt (10 kg/m³). Die anschließende Membranfiltration ist sechsstraßig ausgeführt, mit vier HUBER VRM-Filtrationseinheiten in jedem Becken. Durch Zu- und Abschalten einzelner Straßen kann auf verschiedenartige Zulaufsituationen reagiert und ein optimaler, wirtschaftlicher Betrieb gewährleistet werden. Je nach Zulaufsituation wird die Membranfiltration mit einem Flux von bis zu 25 l/m²*h betrieben.

Die Bauphase der gesamten Kläranlage erstreckte sich vom Spatenstich im Frühjahr 2011 bis zur bautechnischen Fertigstellung im November 2013. Periphere Gebäude und die Schaltwarte werden derzeit noch komplettiert. Die HUBER-Maschinen wurden im Zuge der Bauphasen in mehreren Losen auf die Baustelle geliefert. Während die mechanische Vorreinigung bereits im Frühjahr 2013 in Betrieb ging, ist das Herzstück der Anlage, bestehend aus den ersten Straßen der Membranfiltration, seit Oktober 2013 aktiv.

Aufgrund des derzeitigen Abwasseranfalls sind aktuell zwei Straßen der biologischen Abwasserbehandlung und vier Straßen der Membranfiltration in Betrieb. Die ersten russischen Wintermonate hat die gesamte Anlage mit Bravur gemeistert; sowohl die Durchsatzleistung als auch die Ablaufwerte erfüllen die Erwartungen des Kunden. Aktuell wird die Anlage noch vom Personal des Anlagenbauers betrieben, bevor sie im Frühjahr 2014 offiziell an den Endkunden, die Stadt Sovetsk, übergeben wird.

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