Auftrag zur Ausrüstung der kommunalen Kläranlage La Santa

VRM® 20/15-Vorführanlage auf der Teichanlage im Wildberg

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist auf den Kanarischen Inseln eine technologische und logistische Herausforderung. Aufgrund der örtlichen Verhältnisse wird es entweder durch aufwändige und teure Umkehrosmose gewonnen und über Pumpleitungen in alle Regionen gefördert, oder durch Transport mittels riesigen Tankschiffen vom Festland auf die Kanaren gebracht. Um Abwasser als Brauchwasser wieder verwenden zu können, waren bisher aufwändige Nachbehandlungsschritte (Sandfiltration und Desinfektion) notwendig, welche aus Platzgründen nicht überall problemlos realisiert werden können. 
Seit Einführung des Membranbelebungsverfahrens hat sich dies jedoch grundlegend geändert. Dieser Prozess kombiniert das altbekannte Belebungsverfahren mit einer Trennung des belebten Schlammes vom gereinigten Abwasser durch getauchte Ultrafiltrationsmembranen. Durch dieses  Verfahren können die auf den Kanaren weit verbreiteten Belebungsanlagen mit einer Membranfiltrationsstufe ergänzt und damit einfach ertüchtigt werden. Das Ablaufwasser eignet sich dann problemlos für Bewässerungszwecke und kann durch Umkehrosmose-Anlagen sogar zu Trinkwasser aufbereitet werden. Zusätzlich wird der Platzbedarf bei einer bestehenden Anlage sogar noch verringert.
Auf den beiden Kanarischen Inseln Gran Canaria und Teneriffa wurde über insgesamt fast einem Jahr die Versuchs- und Vorführanlage VRM® 14/24 betrieben und damit den örtlichen Behörden die Leistungsfähigkeit des HUBER Membranbelebungsverfahrens demonstriert. Dabei konnten die zuständigen Behörden von  Lanzarote von diesem Verfahren überzeugt werden, was dazu führte, dass der geplante konventionelle Ausbau der Kläranlage La Santa geändert wurde. Die Anlage wird nun mit einer Belebungsanlage (vorgeschaltet Denitrifikation und aerobe Schlammstabilisierung) und zwei nachgeschalteten Edelstahl-Filtrationskammern mit jeweils einer VRM® 20/240-Membranunit ausgeführt. Die installierte Membranfläche beträgt dann 1440 m². Der Ablauf der neuen Anlage wird in das bestehende Brauchwassernetz von Lanzarote eingespeist. 
Die Anlage wird voraussichtlich im November 2004 ausgeliefert und geht Anfang 2005 in Betrieb.

Membranfiltration nach Abwasserteichen – eine Chance für aride und semiaride Länder
In ariden und semiariden Ländern wird die Abwasserbehandlung oft durch einfache belüftete oder nicht belüftete Abwasserteiche realisiert. Die Reinigungsqualität von solchen Anlagen ist oftmals sehr unzureichend, was schlimme Folgen für die Vorfluter (z.B. der Nil in Ägypten) hat. Das Wasser dieser Vorfluter ist durch diese Einflüsse so stark verschmutzt, dass das Baden oder Tauchen hier lebensgefährlich ist. Neben der Einleitung in große Vorfluter wird der Ablauf von Abwasserbehandlungsanlagen – wegen der Wasserknappheit – oftmals zur Bewässerung von Feldern verwendet. Dadurch gelangen Fäkal-Bakterien und Keime über die ungewaschenen Feldfrüchte zurück in die Nahrungskette was weit reichende Folgen für die Gesundheit der Menschen hat.
Aus diesem Grund wurde von der TU Berlin ein Forschungsprojekt angestrengt, in dem bestehende Abwasserteichsysteme durch Nachschaltung von Membranfiltrationsanlagen ertüchtigt werden sollen. Das teilgereinigte Abwasser (Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor sollen wegen der Düngerwirkung im Abwasser verbleiben) soll dabei mittels Membranfiltration von Bakterien und Keimen getrennt und damit ein optimales Bewässerungswasser erzeugt werden. Die Firma Huber fungiert bei diesem Projekt als Industriepartner und liefert die komplette Maschinentechnik zur Ausrüstung der Membrankläranlage in Ankara/Türkei. Dabei handelt es sich um eine Siebschnecke Ro9 (3 mm-Lochsiebung) zur mechanischen Vorreinigung des Abwassers und einer VRM® 20/180-Membrananlage mit 540 m² Membranfläche, inklusive aller notwendigen Aggregate und der EMSR-Technik. Die Ausrüstung wird auf einer alten Teichanlage installiert und damit diese Anlage zu einer neuen Teichanlage mit nachgeschalteter Membranfiltration ertüchtigt. Das gesamte Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)  im Juli dieses Jahres genehmigt und die damit verbundenen Fördergelder zugeteilt. Die Anlage soll Ende des Jahres geliefert und in Betrieb genommen werden.
Parallel dazu ist seit ca. zwei Monaten eine zweite Anlage in Deutschland in Betrieb. Auf der Teichkläranlage in Wildberg bei Berlin (siehe Bild) wird eine VRM® Testanlage in Kombination mit dem bestehenden Abwasserteich betrieben. Die Ergebnisse sollen mit den Ergebnissen der Untersuchungen in der Türkei verglichen werden.

Von Torsten Hackner

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